Architektur

Die Architektur von Sphaera 2000

Die kugelrunde „Sphaera 2000“, das Hauptgebäude von Kugelmugel, befand sich zu Beginn auf dem Grundstück des Landwirtes Franz Gruber im niederösterreichischen Katzelsdorf. Dort stand das kugelförmige Gebäude am Abhang des Leidenfrostberges, nahe einer Landstraße, die nach Eichbühl führt. Die Sphaera 2000 besitzt einen Durchmesser von 7, 68 m und ein inneres Volumen von 236 m³. Sie besitzt eine Gesamtoberfläche von 180 m² und wird mit Hilfe einer Stahlbetonsäule im Durchmesser von 70 cm in den Boden verankert, wodurch ihre Standfläche auf dem Erdboden rund einen halben Meter beträgt. Das Gesamtgewicht der Sphaera 2000 beträgt ungefähr 3,9 Tonnen. Als Hauptbaumaterial des Kugelhauses wurde Holz verwendet, welches die Verschalung des Bauwerks anhand 128 sphärisch geformter Einzelteilen bildet. Die einzelnen Teile sind dabei mit Hilfe von Torbandschrauben verbunden. Die nach außen hin sichtbaren Bauteile wurden mit verzinktem Blech verschalt, die einzelnen Fugen mit einer speziellen Kautschukmasse versiegelt.1

Die Sphaera 2000 kann über eine mechanisch betriebene „Zugbrücke“ betreten werden, die gleichzeitig den Torbereich bildet. Das Innere der Sphaera 2000 ist in zwei Stockwerke gegliedert, die durch eine Wendeltreppe miteinander verbunden sind. Dabei beträgt die gesamte Fußbodenfläche rund 60 m². Das obere Stockwerk des Bauwerks wird neben rechteckigen Holzfenstern auch durch eine kreisrunde Öffnung erhellt, welche sich im Zentrum des Gewölbes befindet.

Ursprünglich konnte das kugelförmige Bauwerk anhand einer elektrisch betriebenen Heizung erwärmt werden. In diesem Zusammenhang war es vorgesehen, dass die dabei entstandenen Dämpfe aus der zentralen kreisrunden Öffnung der Gebäudekuppel entweichen. Etwaiger Abfall konnte über durch einen Schacht entsorgt werden, der in die Stahlbetonsäule im Zentrum der Sphaera 2000 integriert ist. 2

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Die Entwicklung des Bauplans von Sphaera 2000 nahm, von der ersten Idee an, etwa 6 Jahre in Anspruch. Das Bauprojekt selbst konnte innerhalb von 12 Monaten realisiert werden. Die Planung des Kugelhauses sowie die Baudurchführung wurde von Edwin Lipburger gemeinsam mit seinem Sohn Nikolaus Lipburger vorgenommen. Für die Herstellung der für das kugelrunde Gebäude benötigten Einzelteile wurde eigens eine Werkshalle in Wien Meidling gemietet. Die ursprünglichen Material- und Lieferungskosten sowie weitere mit dem Projekt zusammenhängenden Vergebührungen betrugen eine Summe von 100.000.- österreichischen Schilling.3

Einzigartig am Projekt Sphaera 2000 ist die kugelförmige Baukonstruktion. Sie ist bei hoher gegebener Stabilität äußerst Platz- und Materialsparend. Das durch die Kugelform bedingte Verhältnis der kleinen Oberfläche zum größtmöglichen inneren Volumen verhindert zudem den durch Abstrahlung bedingten Wärmeverlust innerhalb des Gebäudes. Die runde Form des Bauwerks soll den Bewohnern das Gefühl von Geborgenheit vermitteln und nach Jeff Bernard Assoziationen zum Mutterleib erlauben. Die Kugel kann als Symbol für die Eizelle, Welt und den Kosmos angesehen werden. Die Bauform der Sphaera 2000 kann in die Tradition der Kugelbauten, aber auch in jene der skulpturalen Architektur eingeordnet werden. Die Idee des kugelförmigen Bauwerks zeichnet sich innerhalb der Weltarchitektur mit Bauten wie etwa dem römischen Pantheon, dem Mausoleum des Timur, den Kuppeln des Dornarcher Goetheanums sowie den Entwürfen zur französischen Revolutionsarchitektur und futuristischer Architekturströmungen ab. 4

1 Transparent 5,6/1977, S. 24-25.

2 Transparent 5,6/1977, S. 25.

3 Transparent 5,6/1977, S. 25.

4 Transparent 5,6/1977, S. 26-27.

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